22. Januar 2018

Von Streikenden an Streikende und solidarische Menschen

Uns erreichen in letzter Zeit immer mehr Nachrichten aus verschiedenen Bereichen mit Berichten, Erklärungen, Positionierungen, die an alle Mitstreikenden gerichtet sind. Diese möchten wir euch nicht vorenthalten und werden sie hier nach und nach hochladen.

  • 14.02. diverse Eindrücke von der Streiktour
    • Valentinstagpost für HU-Präsi Kunst
    • HU Philo SHKs: Waffeln der Solidarität und ein Blick in die Zukunft des Tutor*innensystems (soon to be published) [nach unten]
    • Info-Service geschlossen an der FU [nach unten]
    • Bibliotheken an der FU [nach unten]
  • 25.01. von einer aktiven FU SHK nach den letzten Aktionen [nach unten]
  • 21.01. von SHKs aus dem Grimm-Zentrum (HU) [nach unten]
  • 17.01. von SHKs von der ZEDAT (FU) [nach unten]
  • 09.01. Positionspapier der SHKs am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität [nach unten]

14.02. diverse Eindrücke von der Streiktour

Valentinstagpost für HU-Präsi Kunst



HU Philo SHKs: Waffeln der Solidarität und ein Blick in die Zukunft des Tutor*innensystems (soon to be published)

 

Info-Service geschlossen an der FU



Bibliotheken an der FU

25.01. Reflexion einer FU SHK nach den letzten FU-Aktionen über Solidarisierung

Neulich bei Aktionen an der FU sprach mich eine Studierende, die in die Bibliothek wollte, an, warum wir uns denn nicht mit anderen Beschäftigten solidarisieren würden, die noch schlechter verdienten als wir. Ich dachte erst, sie würde uns vorwerfen, dass wir uns doch mit unserem Lohn zufrieden geben sollten, da andere ja noch schlechter verdienen und vermutete, dass sie gefrustet war, weil sie momentan nicht in die Bibliothek konnte. Das sagte ich ihr auch sowie dass wir uns sehr wohl mit schlechter verdienenden Beschäftigten solidarisieren würden. Sie beteuerte aber, dass sie nicht frustriert sei, und dass das ja schön sei, dass wir uns mit anderen Beschäftigten solidarisieren würden, sie aber bei der Aktion nix davon höre. Jetzt wünsche ich mir, ich hätte in der Situation anders reagiert. Denn natürlich wollen wir mit unserem Arbeitskampf nicht allein unsere eigene Situation verbessern, sondern damit auch gegen Prekarisierung allgemein und im öffentlichen Dienst kämpfen. Dazu gehört auch die Solidarisierung mit schlechter (und besser) verdienenden Kolleg*innen, die ebenfalls gegen Prekarisierung kämpfen. Es kann nicht oft genug gesagt werden: Wir solidarisieren uns mit den Beschäftigten des Botanischen Gartens an der FU, der Beschäftigten von CFM (Charité Facility Management) und VSG (Vivantes Service GmbH), der Mittelbau-Initiative NGAWiss und allen, die gegen Prekarisierung einstehen. Und wir sollten uns auch immer in diesem Kontext verorten.

21.01. von studentischen Beschäftigten des Grimm-Zentrums (HU)

Liebe Kolleg*innen, liebe Nutzer*innen des Grimm-Zentrums,

im Rahmen des ersten Warnstreiktages am Dienstag den 16.01. kam es in der Universitätsbibliothek der HU zu einer Blockadeaktion seitens der Streikenden und solidarischen Menschen.

Kurz darauf sah sich die Leitung der Bibliothek dazu bemüßigt, per Mail alle Mitarbeiter*innen (speziell die SHK’s) und die Öffentlichkeit über die bibliothekseigene Internetseite zu informieren, was vorgefallen war und wie unsolidarisch das gegenüber Nutzer*innen und Rücksteller*innen sei. Die Art der Formulierung lässt darauf schließen, dass der Grund für die Stellungnahme der Bibliothek nicht die Angst um verletzte Interessen der Nutzer*innen und Mitarbeiter*innen ist. Wir sehen hierin stattdessen nicht nur einen Spaltungsversuch unter den Kolleg*innen, sondern auch einen eindeutigen Einschüchterungsversuch im Falle weiterer Aktionen. Beides werden wir nicht unwidersprochen lassen!

In diesem Schreiben wollen wir, einige streikende studentische Beschäftige des Grimm-Zentrums, Stellung zu diesen haltlosen Behauptungen nehmen und unsere Beweggründe und Motive für den Streik aufzeigen.  In diesem Sinne möchten wir uns dem bereits veröffentlichten Schreiben einer Hilfskraft aus dem Grimm-Zentrum anschließen: https://tvstud.berlin/2018/01/leitung-des-grimmzentrums-ordnet-ihren-beschaeftigten-an-uns-ihre-solidaritaet-zu-entziehen/

Viele von uns Beschäftigten sind bis auf den letzten Euro auf die Einkünfte aus den verschiedenen SHK-Stellen angewiesen, in denen wir neben unserem Studium arbeiten und damit den gesamten Universitätsbetrieb am Laufen halten. Der TVStud-II unter dem die meisten von uns beschäftigt sind, hat, durch Miet-/Strom- und weitere Lebenserhaltungskostensteigerungen sowie steigende Inflationsraten, seit 2003 massiv an Wert verloren, was dazu führt, dass einige von uns mit dem Gehalt aus ihrer Tätigkeit für die Universität nicht einmal ihre Miete bezahlen können! Andere wiederum sind darauf angewiesen die bisherigen 450€ nicht zu überschreiten, würden sich jedoch über mehr Zeit freuen, die sie dem Studium etc. widmen könnten. Letzterer Wunsch findet sich auch in der Forderung nach den gleichen Urlaubsansprüchen wie andere Kolleg*innen im Unibetrieb wieder.

Die Darstellungen mit allen möglichen aus der Luft gegriffenen Behauptungen zeigt leider ein weiteres Mal, dass auch der Leitung der Universitätsbibliothek das Bild des Grimm-Zentrums als lupenreine, aufgeräumte und geölte Maschine in der Öffentlichkeit wichtiger ist, als die mehr als berechtigten Forderungen der studentischen Beschäftigten!

Wir begrüßen Aktionen wie die Bücherblockade am Dienstag, da sie, im Gegensatz zu dem, was seitens der Bibliotheksleitung behauptet wird, durchaus aufzeigt, in welchem Zustand sich das Grimm-Zentrum befinden könnte, sollte es zu einem unbefristeten Streik kommen.

Die Darstellung, es sei durch die Aktion irgendein Schaden angerichtet worden, erscheint zudem nicht nachvollziehbar, da das Verstellen oder Rückstellen von Büchern zum normalen Betrieb der Bibliothek gehört und besagte Aktion lediglich zur Beschleunigung dieses Prozesses beigetragen hat.

Die Unterstellung der Verantwortungslosigkeit geben wir in diesem Zusammenhang hingegen gerne zurück und weisen auf 17 Jahre Lohnverfall hin.

Das Argument, die Blockade schade Nutzer*innen, lässt sich bisher wohl kaum belegen, da sich im wieder aufgenommenen Betrieb des Grimm-Zentrums zeigte, dass die wenigen Nutzer*innen, die seit dem Warnstreik nicht sofort an ihr Buch kamen, sich, entgegen dieser Behauptung gegen streikende Studierende, sehr verständnisvoll und auch solidarisch zeigten.

Erneut sei betont, dass diese Aktion und eventuelle weitere, von uns volle Unterstützung erhalten werden, bis die Hochschulen in ihren Verhandlungen annehmbare Angebote vorlegen! Ein Arbeitskampf ohne spür- und sichtbare Folgen wird es mit uns nicht geben!

Es kann nicht sein, dass die Leitung des Grimm-Zentrums in unserem Namen und im Namen aller solidarischen Kolleg*innen formuliert, was in unserem Sinne ist und was nicht und ob Aktionen bei einzelnen Kolleg*innen zu Solidarität führen oder nicht!

Einige streikende studentische Beschäftigte des Grimm-Zentrums

17.01. von studentischen Beschäftigten der ZEDAT (Hochschulrechenzentrum der FU)

Hallo liebe Kolleg*innen!

Zunächst einmal vielen Dank gestern für die Orga und die Planung + Durchführung des Streiks an der FU! Wir haben uns bei der Zedat (Benutzerservice und Hotline/Poolaufsicht) ja auch versucht, möglichst gut einzubringen.

Natürlich muss man bei der Durchführung eines Streikes auch damit rechnen, nicht nur auf Zustimmung zu stoßen. Leider haben wir aus Versehen unser Streik-Plakat von außen an unsere Tür gehangen – und einige Kommentare bekommen (mal im O-Ton wiedergegeben).

Z.1 “Dieser Streik läuft an einer Stelle, die niemanden relevantes interessiert! Ihr bestreikt ausschließlich den Internet u. PC-Zugang von Studierenden!”
Z.2 “Wirklich! Seid ihr dumm?! Studentenstreik am Arsch!”

Obwohl uns das natürlich irgendwie trifft, stellt das für uns kein Problem dar, zumal Z.1 Quatsch ist. An einer Uni sind ja die Studierenden sehr wohl relevant, und zudem war der Benutzerservice ja auch zu. Das betrifft von Prof bis SHK so gut wie die meisten Mitarbeiter. Insgesamt ist unser Gefühl, dass viele Studierende und Mitarbeiter*innen hinter uns stehen. Unser Punkt: Solche Reaktionen gibt es sicher nicht nur bei uns. Sagt den Leuten, dass sie sich nicht von sowas entmutigen lassen dürfen, nur weil einige wenige so darauf reagieren.

Liebe Grüße

09.01. Positionspapier der Studentischen Hilfskräfte am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu den Forderungen der Tarifinitiative TVStud und den angekündigten Streiks im Januar 2018beschlossen am 09.01.2018

Sehr geehrte Professor*innen des Instituts für Philosophie!

Im Anschluss an die 5. Verhandlungsrunde sind die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag der Studentischen Beschäftigten gescheitert. Die gewerkschaftliche Tarifkommission der studentischen Beschäftigten (TV Stud) hat zum eintägigen Warnstreik am 16. Januar 2018 aufgerufen.

Die Forderungen von TV Stud sind uns unserer Sicht sehr dringlich. Daher werden wir am 16. Januar unsere Arbeit voraussichtlich niederlegen, wenngleich wir uns der Beeinträchtigungen bewusst sind, die unser Ausfall für Lehre und Forschung des Instituts haben wird.

Einige Punkte aus dem beiliegenden Forderungskatalog sind für uns als Philosophie-SHKs von besonderer Bedeutung:

Lohnerhöhung
HiWi-Stellen sind nicht in erster Linie ein prestigeträchtiges Sprungbrett in den Wissenschaftsbetrieb! Viele unter uns sind finanziell auf die Stelle angewiesen und brauchen daher eine angemessene Bezahlung. Gute Philosoph*innen, die sozial und finanziell schlechter gestellt sind, haben teilweise gar nicht mehr die Möglichkeit, eine SHK-Stelle auszufüllen, oder müssen zusätzlichen Jobs nachgehen, um sich die Stelle an der Uni „leisten zu können“. Der niedrige Lohn fördert also soziale Ungerechtigkeit.

Lohnangleich
Für alle anderen Statusgruppen der HU ist ein regelmäßiger Lohnangleich selbstverständlich. Unser Lohn dagegen wurde seit 2001 nicht mehr angepasst, während die Lebenshaltungskosten in diesen 16 Jahren enorm gestiegen sind, insbesondere in Berlin. Es gibt also eine völlig willkürliche Ausnahmeregel zur schleichenden Schlechterbezahlung von SHKs im Vergleich zu anderen Beschäftigten an der Uni. Diese Regelung bedeutet die Abwertung und Ausbeutung der Arbeit Studentischer Hilfskräfte.

Schutz vor Arbeitsverdichtung
Die Studentischen Hilfskräfte am Institut leisten qualitativ hochwertige Arbeit. Doch die Arbeitslast der Tutor*innen wächst mit der Zahl an Studienanfänger*innen. Vielen Tutor*innen am Institut reicht ihre wöchentliche Arbeitszeit nicht aus, um eine gute Lehrveranstaltung vorzubereiten und zu halten. Entweder wir leisten unbezahlte Überstunden oder die Qualität der Lehre am Institut leidet. Daher brauchen wir die geforderte verbindliche Höchstgrenze für die Zahl der Teilnehmenden an den Tutorien. Sollte dies dazu führen, dass nicht alle, die ein Tutorium besuchen müssen, dies auch können, muss die HU mehr Stellen für Tutor*innen schaffen.

Qualifizierung
Der Qualität der Lehre und der Effektivität unserer Arbeit wäre es zuträglich, wenn auch uns, wie allen anderen HU Mitarbeiter*innen, Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen innerhalb der Arbeitszeit zustünden.

Wenn Sie uns gute Arbeit zu fairen Bedingungen ermöglichen wollen, unterstützen Sie uns! Wenden Sie sich an das Präsidium und fordern Sie die Verhandlungspartner seitens der HU dazu auf, den Forderungen von TV Stud nachzukommen. Sie können dazu auch gerne dieses Papier weiterleiten. Treten Sie an die Öffentlichkeit und machen Sie bekannt, dass Sie unsere jetzigen Arbeitsbedingungen nicht gutheißen. Über jegliche Maßnahmen, zu denen Sie sich in dieser Richtung entschließen, freuen wir uns sehr.

Mit herzlichen Grüßen und Dank
die Streikgruppe der Philosophie-SHKs der HU Berlin

FÜR STUDIERENDE -43 Tage 13 Stunden 40 Minuten 48 Sekunden Was bedeutet der Streik für mein Studium? Schaffe ich meine Prüfungen? Was ist mit meinem BAföG?
Zum Streikfolgen FAQ