Leitung des Grimmzentrums ordnet Beschäftigten an, der Kampagne die Solidarität zu entziehen

Im Anschluss an die Kundgebung am 16. Januar führten ca. 300 Streikende eine Aktion am Grimmzentrum durch. Sie suchten ein Buch mit dem Titel „TVStud 3 – Wie eine Bücherblockade die Hochschulen zum Einknicken brachte“. Dies führte zu vollen Rückstellwägen in der gesamten Bibliothek.

In der Folge veröffentlichte die Bibliotheksleitung einen Beitrag, in dem sie versucht, diese Form des Arbeitskampfes zu delegitimieren. Die Bibliotheksleitung glaubt demnach, für die studentischen Beschäftigten des Grimmzentrums  sprechen zu können, und behauptet, dass unsere Kampagne mit der Aktion jede Solidarität verspielt hätte. Sowohl in einem internen Schreiben, wie auch in dem Online-Beitrag konnten die studentischen und nicht-studentischen Beschäftigten erfahren, wie sie zu uns zu stehen haben. Das zeigt, welches Verständnis die Bibliotheksleitung von ihrer Rolle und von der Mündigkeit der studentischen Beschäftigten hat. Daher möchten wir an dieser Stelle eine studentische Hilfskraft des Grimmzentrums zu Wort kommen lassen:

Kommentar zur Stellungnahme der UB zur Streik-Aktion im Grimm-Zentrum.

Am Dienstag, den 16.1. wurde im Rahmen eines ersten Warnstreiks der studentischen Hilfskräfte dazu aufgerufen, sich an einer Aktion im Grimm-Zentrum zu beteiligen. Die Aktion sollte simulieren, wie es in einer Bibliothek aussehen könnte, wenn die SHKs ihre Arbeit niederlegten. Dabei wurden Bücher aus den Regalen genommen und auf den Rückgabewagen abgelegt bzw. ausgeliehen und direkt wieder zurückgegeben. Nichts weiter.

Die Behauptung einiger Mitarbeiter*innen der Bibliothek, das entstandene, sogenannte “Chaos” führe zu Nachteilen der Nutzer*innen und der SHKs, die wieder aufräumen müssten, ist schlichtweg falsch und zeigt, wie wenig sich einige Beschäftigte der Bibliotheken für die SHKs interessieren.

Das “Chaos”, das im Rahmen dieser Aktion entstanden ist, hat in etwa die Ausmaße eines “Chaos”, das an Wochenenden oder in Prüfungsphasen durch die reguläre Nutzung der Bibliothek entsteht. “Chaos” durch Bibliotheksbesucher*innen ist eben vorprogrammiert und kein “Schaden”, zumal in der größten Freihandbibliothek Deutschlands mit ihrem zentralen Standort und ihren großzügigen Öffnungszeiten. Es wäre begrüßenswert, wenn sich die Verantwortlichen über den Stolz über diese Umstände hinaus der Folgen dieser Umstände bewusst würden und sie gelassener nähmen.

Diese Aktion führt im Übrigen nicht dazu, dass die SHKs im Grimm-Zentrum mehr arbeiten müssen, als in ihrem Arbeitsvertrag festgelegt ist, also zwischen 10 und 20 Stunden pro Woche. Es muss nichts nach- und nicht schneller gearbeitet werden. Aber man kann ja mal versuchen, die SHKs gegeneinander auszuspielen.

In der Stellungnahme des Grimm-Zentrums wird weiterhin behauptet, diese Aktion führe nicht zur Solidarisierung mit den SHKs. Bisher kam keine einzige öffentliche Solidaritätserklärung von Seiten der Universitätsbibliotheken mit den studentischen Hilfskräften.

Daher meine Frage an die Bibliotheken: Was führt denn zu einer Solidarisierung mit den studentischen Beschäftigten?

Dass die SHKs zum größten Teil dafür sorgen, dass die Bücher in den Regalen stehen, die Ausleih-, Rückgabe- und Informationstresen besetzt sind, maßgeblich daran beteiligt sind, dass Verwaltung und Referate ihre Arbeit machen können, reicht anscheinend nicht.

Dass die SHKs diese Jobs machen, um sich Studium und Lebensunterhalt annähernd zu finanzieren – eine Stelle reicht mittlerweile nicht mal mehr, um die Miete zu begleichen -, dass es bei der Tarifauseinandersetzung also um die Sicherung ihrer Existenzgrundlagen geht, scheint auch kein Grund zu sein für Solidarität.

Stattdessen instrumentalisiert man die Grimm-Zentrums-SHKs – die übrigens zum Teil an dieser Aktion beteiligt waren – und tut, als wären einem ihre Interessen wichtig, um sich über diese Aktion auslassen zu können. Das ist im Gegenteil ignorant gegenüber den SHKs, ihrer Arbeit und ihren Bemühungen für eine faire und angemessene Bezahlung.

Glücklicherweise geht der Warnstreik der SHKs nächste Woche in die zweite Runde: Die Universitätsbibliotheken haben also nach wie vor die Chance, sich zu solidarisieren und den SHKs ihre Wertschätzung zu zeigen.

Wie könnte diese Wertschätzung aussehen? Solidarische Kolleg*innen könnten die Solidaritätserklärung auf der Webseite der Tarif-Initiative https://tvstud.berlin/solidaritaet/ unterzeichnen oder sich beim HU-Präsidium über die mickrigen Angebote beschweren. Die Bibliotheken könnten an den kommenden Streiktagen für alle Nutzer*innen schließen. Das wäre – und wenn auch nur für ein paar Stunden– eine echte Solidaritätsbekundung.

In Solidarität mit allen Streikenden und der Tarif-Initiative

Johanna Comenius*

(seit 2014 SHK in den HUBs , zeitweise in Auskunft, Ausleihe, Freihand, Verwaltung)

 

Wir finden die Aktion der Streikenden ist der Situation angemessen. Die Hochschulen müssen endlich spüren, dass sie uns nicht länger hinhalten können!

Leider konnte bei der Aktion das Buch mit dem Titel „TVStud 3 – Wie eine Bücherblockade die Hochschulen zum Einknicken brachte“ (noch) nicht gefunden werden. Falls jemand dieses Buch im weiteren Streikverlauf finden sollte, begrüßen wird das sehr.

Wir verbleiben mit einigen Worten von Bertolt Brecht

Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
Zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

 

(* Name anonymisiert)

22 thoughts on “Leitung des Grimmzentrums ordnet Beschäftigten an, der Kampagne die Solidarität zu entziehen

  • Studierende studieren auf Kosten des Staates in Deutschland. Leider wird das immer vergessen. Wenn sie dann noch einen feinen SHK Job dazu haben sind sie fein raus. Andere müssen Pizza ausfahren oder bei Lieferheld arbeiten. Mir ist schleierhaft warum SHKs streiken. Das was sie verdienen wünschen sich viele Arbeitnehmer in der richtigen Welt.

    • Du rechtfertigst schlechte Löhne mit schlechten Löhnen. Nach dieser Logik sind Löhne und gute Arbeitsbedingungen eine Gnade der Arbeitgeber*innen. Bessere Arbeitsbedingungen und Löhne sind aber historisch immer schon erkämpft worden und sind Zugeständnisse, die Arbeitgeber*innen abgerungen wurden. Eine längere Entgegnung auf Dein Argument gibt es von der Tarifkampagne auch hier: https://tvstud.berlin/argumente/#03

      Wenn Du aber sagen willst, dass Studierende ihre Privilegien mehr dazu verwenden sollten, Arbeitnehmer*innen zu unterstützen, die noch schlechtere Arbeitbedingungen haben, dann stimme ich Dir voll zu. Idealerweise sollten nicht nur die SHKs, sondern auch die Leute bei Lieferheld für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen und sich gegenseitig dabei unterstützen. Zum Teil passiert das ja auch schon: https://deliverunion.fau.org

  • @ C.Pachl
    Mir ist schleierhaft, wie man einen solch uninformierten Kommentar ablassen kann.
    Die eigene Logik widerspricht schon dem geschriebenen.
    Wer arbeiten muss, braucht länger zum Studium und kostet in dieser Rechnung den Staat mehr Geld. So absurd dieser Rechnung auch ist. Und Studistellen an den Unis sind eben nicht wirklich gut bezahlt.
    Ergo, wer weniger Geld bekommt und sich die Miete nicht leisten kann, kostet noch mehr, weil mehr Arbeit nötig ist. Immernoch krude Logik.
    Weiterhin sparen die Unis und damit der Staat nämlich massiv Geld, indem Lehre und Verwaltung zu Teilen an billige Studis ausgelagert werden. Die kosten deutlich weniger, als Festangestellte, übrigens auch mit einem neuen Tarifvertrag.
    Außerdem erlangen die Studis dabei sogar noch Berufserfahrung und zusätzliche Qualifikationen.
    Um nur einen kleinen Abriss zu geben.

    Ist wohl doch nicht so einfach auf Stammtischniveau zu behandeln das Thema.
    Aber Meinung muss eben sein.

  • Ich arbeite im Einzelhandel für 15€/h, ich weiß nicht, wie man mit 10,98€/h über die Runden kommen soll in einer immer teurer werdenden Stadt wie Berlin.

    Unsolidarische Menschen wie “C. Pachl” würden wahrscheinlich auch rummeckern, wenn ihr Lieferheld-Fahrer für bessere Löhne streikt, und das Essen deshalb nicht kommt.

  • “Bisher kam keine einzige öffentliche Solidaritätserklärung von Seiten der Universitätsbibliotheken mit den studentischen Hilfskräften.”

    Wundert euch das wirklich? Als “einfacher” Beschäftiger der Bibliothek kann ich dem, was die Bibliotheksleitung sagt, nur zustimmen. Es ist unfassbar, welche Lügen hier durch euch verbreitet werden. Ihr habt keine Ahnung vom tatsächlichen Arbeitsleben, soviel steht fest. Aber lebt ruhig weiter in eurer Sowi-Fantasie-Welt.

    • Unter uns gibt es durchaus Leute mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung (z.B. ich selbst). Das “tatsächliche Arbeitsleben” ist geprägt von schlechten Löhnen für gute Arbeit. Bitte lass deinen Frust an deiner eigenen beschissenen Situation nicht an irgendwelchen anderen Lohnabhängigen ab, sondern such Dir dafür die richtigen Stellen. Wir finden uns jedenfalls nicht mit schlechten Löhnen für gute Arbeit ab, auch wenn wir nur Teilzeitbeschäftigte sind.

      PS: Den größten Orga-grad haben wir an der TU.
      Die TU ist bekannt für ihren Mangel an technischen&naturwissenschaftlichen Studiengängen und weltberühmt für den sozialwissenschaftlichen Bachelor und Master /Ironie off

      • Dass du in deiner Argumentation nicht ohne persönliche Beleidigungen auskommst, zeigt das Niveau eures Protests. Im übrigen ist meine Situation das ganze Gegenteil von “beschissen”, da ich (was du dir vielleicht nicht vorstellen kannst) einen Job ausübe, der mir Spaß macht und auch angemessen bezahlt wird. Dass du in Boom-Zeiten wie diesen trotz Berufsausbildung und -erfahrung keinen solchen Job findest, sollte DIR zu denken geben.

    • Und was hebt ihr “tatsächliches Arbeitsleben” nun von unserem tatsächlichen Arbeitsleben als studentische Mitarbeiter_innen ab? Viele von uns haben nicht nur einen Nebenjob, auch fernab der Uni. Wir versuchen wenigstens unsere “Sowi-Fantasie-Welt” Realität werden zu lassen. Wo waren Sie beim TV-L Warnstreik 2017?

  • Dank an C. Pachl für diesen aufschlussreichen Kommentar. Ich versuche ihn einmal inhaltlich zu widerlegen.
    1.) Das Bafög ist eine Investition des Staates in Bildung und den Gewinn von Arbeitskräften in wichtigen Bereichen der Gesellschaft. (Medizin, Juristerei, Kunst, Kultur, Wirtschaft, Politik u.a.)
    Studierende, die Bafög für die Dauer der Regelstudienzeit erhalten, erhalten zu 50% einen zinslosen Kredit, der nach 5 Jahren zurückgezahlt werden soll. Unter Abzug dieses Darlehens sind die Leistungen, die ein Student*in für seine Ausbildung erhält nur geringfügig höher als die Leistung des BAB, die ein Azubi erhält, sollte sie/er nicht bei seiner Familie während der Ausbildung wohnen können.
    2.) Studierende leben in Universitätsstädten, in denen die Mieten oft hoch sind, der höhere Bafögbemessung bspw. im Verhältnis zum BAB im Bereich Miete legitimiert sich dadurch. Das Bafög reicht oft nicht mehr aus, um das Studium voll zu finanzieren, daher müssen Studierende arbeiten gehen. Das verlängert oft die Studienzeit über die Regelstudienzeit hinaus. Die Studierenden haben nach dieser Frist keinen Anspruch auf Bafög oder andere staatliche Transferleistungen (ausgenommen Wohngeld, sollte kein Baföganspruch mehr bestehen. Zusätzlich muss nachgewiesen werden, dass das Leben ausreichend bereits finanziert ist)
    3.) Dass Studierende mit Nebenjob im Überfluss leben ist ein Phantasma. (vgl. Punkt 2 – Ein WG-Zimmer oder Neumietung kostet ca. 400 €)
    3.1.) Studierende ab 25 Jahre bezahlen von ihrem Einkommen ihre Krankenkasse. (der studentische Betrag ist 90 €). Bei der Forderung nach 14 € handelt es sich um eine Bruttoforderung versteht sich!
    3.2.) Studentische Beschäftigte dürfen max. 20 h/ Woche arbeiten für bisher 10,98 €/h. Bitte schätzen Sie selbst ein unter Einbeziehung der genannten Kosten, ob ein Student* sich ein gutes Leben von diesem Verdienst leisten kann. (Anspruch auf Aufstockung mit Hartz IV haben Studierende nur in Ausnahmefällen)
    4.)Ihr Kommentar lässt darauf schließen, dass Sie ein Studium prinzipiell ablehnen. Ich möchte ehrlich gesagt nicht in ihrer “richtigen Welt” leben. In denen entweder bspw. Ärzt*innen oder Jurist*innen zwischen 16 und 18 eine Ausbildung absolviert haben, oder gibt es diese gar nicht? Und auch in keiner in der ein Studium nur Menschen aus einem wohlhabenden Elternhaus vorbehalten ist.
    5.) Wieso solidarisieren Sie sich nicht mit den Arbeitskämpfen der Lieferant*innen, die sich im vergangenen Jahr versucht haben gewerkschaftlich zu organisieren. Stattdessen hacken Sie auf Gruppen rum, denen es vermeintlich besser geht. (Das es nicht so ist, habe ich versucht zu zeigen)

    • Ich stimme Dir zu. Wobei Du die BAB-Leistungen für Azubis etwas zu hoch schätzst. Da wird nämlich die Ausbildungsvergütung in voller Höhe angerechnet (will heißen: abgezogen). Das führt bei vielen Ausbildungsberufen dazu, dass Azubis einen Anspruch von wenig bis null Euro haben.

  • @C.Pachl
    Studierende studieren auf Kosten des Staates. Und danach arbeiten Sie und bezahlen Steuern an den Staat um der nächsten Generation an Studenten das Studium zu ermöglichen. Ein gutes System. Hat aber überhaupt nichts mit der Situation der SHKs zu tun. Funktioniert übrigens im gesamten deutschen Bildungssystem so, nicht nur an den Unis.

    Warum streiken: Einfach mal hier gucken: https://tvstud.berlin/tarifentwicklung/

    Der “feine” SHK Job ist übrigens ein Job wie jeder andere und sollte entsprechend belohnt werden.

    Und miese Bezahlungen in anderen Branchen sind doch jetzt wirklich kein Argument um für Alle bei einem schlechten Lohn zu bleiben. Sonst könnte man gleich alle Arbeitnehmer in Deutschland auf Mindestlohn setzen.

  • Ich arbeite als SHK im Grimmzentrum und bin diese Woche direkt von den Auswirkungen dieser absurden Streikaktion betroffen gewesen. Hier zu behaupten, das verursachte Bücheraufkommen sei genau so hoch wie an Wochenenden oder während Prüfungsphasen, ist absolut lächerlich. Ich arbeite seit ca. 1,5 Jahren im Freihandbereich des GZ (bin also eine derjenigen, die die Bücher sortiert und zurück ins Regal stellt) und habe so etwas wie in dieser Woche noch nicht erlebt. Ja, auf den stark frequentierten Etagen 3 und 4 kommt es vereinzelt im Jahr zu einem hohen Bücheraufkommen – hier ist allerdings das GESAMTE HAUS betroffen gewesen. Was in diesem Artikel außerdem verschwiegen wird: Es wurden bewusst schwere, großformatige Bücher auf die falschen Etagen verschleppt, um die Aufräumarbeiten noch schwerer zu machen (herzlichen Dank dafür, war überhaupt nicht anstrengend oder ein Mehraufwand gegenüber normalen Arbeitstagen). Es wurde unachtsam mit unzähligen Altbeständen umgegangen – Bestände, die manchmal selbst den SHKs in den Händen auseinander fallen. Bücher wurden nicht nur in die Rückstellwagen gepackt (siehe Bild oben), sondern überall in den Freihandregalen verteilt. Vorsortierte Bücherwagen wurden komplett durcheinander gebracht. Ich weiß wirklich nicht, was das damit zu tun haben soll, wie eine Bibliothek ohne SHKs aussieht. Nein, so sieht einfach eine Bibliothek aus, in der Leute rumgerannt sind und Chaos (ja, es war ein Chaos) angerichtet haben.
    Auch wenn das die Autoren dieses Artikels nicht wahrhaben wollen: Ich bin jetzt ganz sicher nicht mehr “solidarisiert”. Ich bin genervt. Ich möchte, dass von solchen Aktionen künftig Abstand genommen wird. Für mich hat das nichts mit Streik zu tun.

    • Auch ich arbeite als SHK in einer der Bibliotheken und schließe mich diesem Kommentar an. Ich unterstütze den Streik komplett. Allerdings fand auch ich diese Streikaktion sehr unnötig und übertrieben. Es wird seit Wochen darum geworben, dass wir Kommilitonen und Kolleg/innen keine Mehrarbeit bescheren wollen, allerdings Konsequenzen nicht vermeidbar sind. Dies stimmt absolut, allerdings wurde mit dieser Aktion genau das bezweckt: Es ist ein Riesendurcheinander (und deutlich mehr als in der Prüfungszeit), was natürlich dazu führt, dass Kommilitonen betroffen sind und es bedeutet direkt Mehrarbeit für unsere festangestellten Kolleginnen und Kollegen, die alles wegräumen dürfen (da wir ja streiken). Sie zeigten sich bisland (zumindest bei uns in der Bibliothek) sehr solidarisch und unterstützen den Streik. Allerdings fanden sie diese Aktion auch unnötig und sogar enttäuschend. Dass wir für fairen Lohn kämpfen, ja, aber dass wir durch solche Aktionen die volle Unterstützung und Solidarität unserer Kolleg/innen aufs Spiel setzen, nein, dafür streike ich nicht und dahinter stehe ich auch nicht.

      • Es handelte sich bei der Aktion um eine ganz normale Streikmaßnahme – vgl. etwa das Streik-ABC der GEW. 1986 wurden einfach sämtliche Zugänge zu den Bibliotheken verbarrikadiert, die Nutzer_innen können sich also noch glücklich schätzen! Da von Chaos und Schaden zu sprechen ist unnötig eskalativ.
        Das Argument mit der angeblich entstandenen Mehrarbeit leuchtet mir nicht ganz ein. Sowohl SHKs (die in der Bib übrigens illegal nach TVStud beschäftigt sind und deutlich mehr Lohn nach TV-L bekommen müssten) als auch hauptamtliche Mitarbeiter_innen müssen ja in den Wochen danach nicht mehr arbeiten, sondern die Arbeit bleibt halt länger liegen – falls das anders angeordnet wurde, ist das eine Frechheit der Grimm-Leitung, für die man sich entsprechend dort beschweren und nicht die Kampagne verantwortlich machen sollte.
        Die Grimm-Leitung will hier die Belegschaft – offenbar sehr erfolgreich – spalten. Es geht bei diesem Streik um unfassbare Missstände: Wir haben seit 17 Jahren als einzige Beschäftigtengruppe keine Lohnerhöhung bekommen, wir können von diesem Job den Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten, wir müssen unbezahlte Überstunden leisten und trotzdem verhöhnen uns die Unis mit jeder Verhandlungsrunde. Wer da denkt, dass wir vorankommen wenn wir brav vor uns hinstreiken, ohne dass etwa Bib-Nutzer_innen was merken, der ist ein wenig naiv.

        • “Wer da denkt, dass wir vorankommen wenn wir brav vor uns hinstreiken, ohne dass etwa Bib-Nutzer_innen was merken, der ist ein wenig naiv.”
          Es geht aus beiden vorangegangenen Kommentaren hervor, dass dies in der Argumentationskette berücksichtigt wurde. Dass es SHKs gibt, die diese Streikaktion nicht unterstützen und äußern wollen, dass solch eine Streikmaßnahme nicht im Sinne aller streikenden SHKs ist, sollte einfach als freie Meinungsäußerung respektiert werden. Es sollte nicht einfach wahrlos jedes Anliegen und jede Sorge kleingeredet oder gar als naiv abgestempelt werden, immerhin kämpfen wir alle für die selbe Sache. Miteinander heißt auch, Meinungen zu respektieren, gerade wenn sie von betroffenen Studierenden aus den Bibliotheken kommen.

          • Ich stimme Dir absolut zu, Valentina! Ich glaube, es ist einfach schwierig, weil wir streikenden SHKs gerade von überall Gegenwind bekommen. Die Arbeitgeber*innen halten uns hin, viele Studis sagen, wir sind Arschlöcher, dass wir streiken, weil sie für die Prüfungen lernen wollen, einige Profs sind angepisst und dann wird man obendrauf noch kritisiert von den eigenen Mitstreikenden, dass die Aktionen, die man macht scheiße sind. Und irgendwann denkst Du, sag mal, bin ich hier in der falschen Welt? Mach ich hier was falsch? Obwohl eigentlich nur eine gerechte Lohnerhöhung fordern und sie uns einfach nicht zugestanden wird. Diejenigen, die sich an der Büchergeschichte beteiligt haben, sind auch, meines Wissens, lange davor zurückgeschreckt, weil sie eben genau den eingetretenen Effekt befürchtet haben. Das Problem ist halt nur, dass die Unileitungen über unseren Streik lachen, wenn er gar keine Auswirkungen hat. Die würden das einfach aussitzen. Und man sieht ja schon in den letzten Jahren, dass sie uns nix freiwillig geben, obwohl in den Hochschulverträgen insgesamt Lohnzuwächse von knapp 30 Prozent bis 2022 seit 2010 für SHKs vorgesehen sind. -> https://tvstud.berlin/argumente/#07

            Also, versteh mich nicht falsch, ich respektiere die Meinung von den SHKs in der Grimm total, die das keine gute Aktion fanden, ich will nur erklären, warum das manchmal auch hart anzunehmen ist. Und es wäre auch schöner, das mal auf einem der vielen Treffen zu hören, die wir so veranstalten an allen Unis, anstatt im Internet zu lesen, wobei ich auch verstehen kann, wenn Leute keine Lust haben zu diesen Treffen zu kommen.

            Wer auch nochmal was dazu lesen will, warum wir unsere Lohnforderungen für gerechtfertigt halten, findet es kurz zusammengefasst hier: https://tvstud.berlin/argumente/#01
            Auch ein Gegenargument zu dem Punkt, dass andere SHKs woanders schlechter verdienen, haben wir versucht: https://tvstud.berlin/argumente/#03
            Und warum wir uns schweren Herzens doch für einige Aktionen entschieden haben, die z.B. für Nutzer*innen von Bibs zu Unannehmlichkeiten führen können, obwohl sie nicht schuld sind an unseren Arbeitsbedingungen, ist hier recht kurz zusammengefasst: https://tvstud.berlin/argumente/#04 bzw. für Kolleg*innen hier: https://tvstud.berlin/argumente/#06

  • Mit offenen Auges in die Streikwelt gesteuert. Anders kann der letztjährige Werdegang nicht beschrieben werden. Es gab ein Angebot mit Dynamisierung und ca. 4,00 % mehr Lohn. Dieses wurde abgelehnt und alles was danach kam, war nicht besser.

    “Bei der Forderung nach 14 € handelt es sich um eine Bruttoforderung versteht sich!” erkennt man gleich die Defizite in der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung. Die Bruttoforderung ist Arbeitnehmer-Brutto und für den Arbeitgeber werden daraus 15,33 EUR.

    Wenn man Deutschlandweit mal die Löhne der SHKs, mit Bachelor und ohne, vergleicht jammern wir trotz Lohnstillstand noch immer auf gehobenen Niveau. Darüberhinaus habe ich keine 16 Jahre Reallohnverlust erfahren, da ich noch gar nicht solange als studentische Hilfskrfat tätig bin und auch dies in Berlin gar nicht länger als 6 Jahre sein kann. Insofern habe auch ich ein Verständnis dafür, wenn “16 Jahre Lohnausgleich” abgelehnt wird. 4,00 % und Dynmisierung wäre schon nicht schlecht gewesen. Unsere Streikmacht ist begrenzt! Wir produzieren keine Wirtschaftsgüter, die exportiert werden und die Erfüllung der Aufträge für das Unternehmensergebnis wichtig sind. Wir sind keine IG Metall! Wir schaden mit dem Streik uns selber …

    Ergo: Zurück an den Verhandlungstisch mit realen Forderungen und keiner Utopie!

    • 16 Jahre Reallohnverlust hat nichts damit zu tun, wie lange eine individuelle Person arbeitet. Es bedeutet einfach, dass die Arbeit einer studentischen Hilfskraft heute fast 30% weniger wert ist als 2001. Wir sind die einzige Beschäftigtengruppe, die so lange keinen Angleich an steigende Lebenserhaltenskosten erfahren hat, das ist ein struktureller Misstand – Punkt. Die Mieten in Berlin sind seitdem außerdem um bis zu 70% gestiegen. Wer also neu nach Berlin zieht wird die 16 Jahre sehr wohl merken.

      Schlechte Arbeitsbedingungen mit noch schlechteren Bedingungen anderswo zu rechtfertigen ist außerdem eine miese Logik, die nur Arbeitgeber_innen etwas bringt und Beschäftigte gegeneinander ausspielt. Aber selbst wenn man sich auf die Argumentation einlässt: In anderen Bundesländern verdienen SHKs mit Bachelorabschluss teils schon mehr als in Berlin, ohne BA in manchen Bundesländern schon um die 10,50€.

      Im Übrigen ist die Tarif-Ini in den Verhandlungen schon deutliche Schritte auf die Arbeitgeber zugegangen – 14€ (Inflationsausgleich, keine Erhöhung!) war ja nur der Ausgangspunkt. Gleichzeitig bekommen die Unis seit 2010 vom Berliner Senat Mittelaufwüchse, um die SHKs bis 2022 um 30% besser zu bezahlen, sie setzen das Geld nur anderweitig ein. Wenn du sie damit durchkommen lassen willst finde ich das ehrlich gesagt befremdlich, meiner Meinung nach ist das nämlich eine kaum zu überbietende Dreistigkeit.

      Auch unsere Streikmacht schätze ich etwas anders ein, als du: SHKs werden in immer mehr Gebieten als billige Hilfskräfte eingesetzt (was übrigens die verdrängten Beschäftigtengruppen dem Lohndumping aussetzt) und das wird sich bemerkbar machen: In der Verwaltung, im EDV und in den Bibliotheken. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn alle mitmachen und sich nicht mit Minimalangeboten abspeisen lassen.

  • Ganz unabhängig von der inhaltlichen Ebene dieses Artikels, die man auch kritisch betrachten darf, sei angemerkt, dass ein Name unter einem Kommentar entweder der Realname sein sollte oder dort nicht hingehört. In diesem Zusammenhang wäre kein Name nötig gewesen. Keiner hätte danach gesucht. Aber stattdessen wird eine Johanna Comenius bemüht. Für mich nicht nachvollziehbar und ein Mittel um einerseits mit Persönlichkeit zu locken und andererseits von einem konstruierten Investigativ-Image (à la “Name von der Redaktion geändert”) zu profitieren.

  • Ich weiß nicht, was Ihr morgen an anderen Unis vorhabt, kann den Streik auch nachvollziehen (WG-Mieten, die durch die Decke gehen usw.), aber überlegt Euch mal, ob eine solche Aktion, wie im Grimm-Zentrum, überhaupt etwas bringt und wieviel Festangestellte in Euren Bibliotheken verfügbar sind und wie lange es dauert um alles wieder aufzuräumen! Wer sich je mit RVK-Signaturen inkl. div. Cutter-Systeme befasst hat, weiß wovon ich rede. Vielleicht werden die Festangestellten nicht reichen und wer muss dann auch mit aufräumen, sofern die Streiktage vorbei sind? Die SHKs, sobald die Streikzeit vorbei ist und sie ihren Dienst wieder antreten. Wollt Ihr das wirklich??? Zudem sinkt dadurch m.E. auch das Verständnis für den Streik.
    Sicherlich gibt es noch geeignetere Ideen, die ihr auf Euren Versammlungen besprecht.

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