Tarifinfo vierter Verhandlungstermin: Hochschulen verschlechtern Angebot. Kein Ergebnis.

Die vorerst letzte Tarifverhandlung zum TVStud ist heute ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Arbeitgeberseite hatte ein neues Angebot vorgelegt, das folgende Punkte enthielt:

Zugleich zogen sie die angebotene Dynamisierung – also die Ankopplung der künftigen Lohnentwicklung an den öffentlichen Dienst (TV-L) – wieder zurück. Der Lohn würde also mindestens bis 2023 nicht weiter steigen.

Mit diesem Angebot verbunden waren gleichzeitig Gegenforderungen. Vor allem fordern die Hochschulen die Ausweitung der Einsatzmöglichkeiten der studentischen Beschäftigten. Das ist deshalb von Bedeutung, weil die Hochschulen studentische Beschäftigt inzwischen fast überall einsetzen, also auch in IT-Service, Verwaltung, etc. Das ist aber nach dem Berliner Hochschulgesetz gar nicht vorgesehen und auch tariflich gehören solche Tätigkeiten eigentlich in den ganz normalen Tarifvertrag, wo sie aber deutlich mehr kosten würden.

Wenn man es durchrechnet, liegt das neue Paket tatsächlich unter dem, was uns beim letzten Mal angeboten wurde (44 Cent rückwirkend zum 1.1.17 und dann Dynamisierung), denn bei den normalen Tarifsteigerungen im TV-L (ca. 2,X % pro Jahr) würden wir spätestens 2020 über den 12,13 € liegen. Ab dann würden wir also wieder weiter abgehängt.

Die Tarifkommission war sich einig, dass auf dieser Grundlage nicht sinnvoll weiterverhandelt werden konnte. Unserer Aufforderung, ein verbessertes Angebot vorzulegen, um die Verhandlungen zügig fortzusetzen, erteilte die Arbeitgeberseite eine Absage. Daher wurde das Gespräch an dieser Stelle ohne Ergebnis beendet. Einen neuen Termin haben wir nicht vereinbart, da es dafür erstmal eine neue Verhandlungsgrundlage braucht.

In der anschließend vom Kommunalen Arbeitgeberverband (verhandelt für die Hochschulen) herausgegebenen Pressemitteilung stellen die Arbeitgeberseite ihr Angebot in Bezug dazu, dass anderen Tätigkeiten wie „Altenpflegehelfer einen Stundenlohn von 10,20 Euro bekommen oder das Bodenpersonal bei der Abfertigung an Flughäfen 9,02 Euro pro Stunde verdient.“

Der Versuch ist so durchsichtig wie perfide: Schlechte Bedingungen in anderen Bereichen sollen unseren Forderungen den Boden entziehen. Demgegenüber ist die einzig sinnvolle Vergleichsgröße das Gehaltsgefüge bei den anderen Hochschulbeschäftigten, also den Leuten, mit denen wir jeden Tag (oft im selben Büro) zusammenarbeiten. Und da stellt sich die Relation ganz anders dar: Durch 16 Jahre Reallohnverlust sind wir nämlich inzwischen ganz unten in der Gehaltspyramide angekommen, wie ihr hier gut sehen könnt.

(Unter der EG2 arbeitet niemand an den Hochschulen und selbst diese Entgeltgruppe ist ein absoluter Ausnahmefall.)

Wie geht es weiter?

Spätestens jetzt ist klar, dass die Hochschulen kein Interesse haben, auf unsere Forderungen einzugehen. Wir haben in den letzten Wochen bereits einigen Druck aufgebaut, aber es reicht offenbar noch nicht. Da trifft es sich gut, dass noch diese Woche zwei Großereignisse in der Wissenschaftslandschaft Berlins anstehen:

  • Am Do., 22.6., möchte die HU eine große Festveranstaltung zum 250. Geburtstag Wilhelm von Humboldts begehen. Uns ist allerdings überhaupt nicht nach Feiern zumute – sondern nach Anti-Party! Denn die Party auf unserem Rücken ist vorbei! Wenn ihr das auch so seht, dann kommt um 17:30 Uhr auf  im Foyer des HU-Hauptgebäudes [FB]
  • Am Sa., 24.6., ist mal wieder die Lange Nacht der Wissenschaften wo sich die Hochschulen immer besondere Mühe eine glänzende Fassade zu zeigen. Zeit für uns den Besucher*innen auch mal einen Blick auf die miserablen Arbeitsbedingungen dahinter zu gewähren. Kommt rum ab 18:00 Uhr vor dem Grimm-Zentrum. [FB]

Die Hochschulen glauben nicht daran, dass wir eine unübersehbare und überhörbare Masse werden können. Sonst würden sie sich nicht so verhalten. Wenn ihr wollt, dass es schnell und positiv mit den Verhandlungen weitergeht, dann müssen wir ihnen zeigen, dass sie sich irren.

Euer TVStud-Team

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